Mittwoch, 20. November 2019

30 Jahre Mauerfall/ Nachbetrachtung zum Merkel-Besuch in Zwickau

(Veröffentlichung vom 9.11.2019)

In diesen Tagen, während sich der Fall der Mauer zum dreißigsten Male jährt, haben die Mainstream-Medien tatsächlich für einige Tage überraschend ihr Herz für die Nation entdeckt; oder zumindest sieht es bei oberflächlicher Betrachtung der Feierlichkeiten, die sich oftmals hart an der Grenze des Kitsches und manchmal darüber hinaus bewegen, so aus.
Betrachtet man zum Beispiel den Merkel-Besuch in der vergangenen Woche in Zwickau etwas näher, drängen sich die historischen Parallelen geradezu auf. Eine politische Kaste, die sich mithilfe eines Großaufgebotes ihrer Streitkräfte vor dem Volk verschanzen muss, welches sie vorgibt zu vertreten, müsste eigentlich in der Lage sein zu bemerken, dass sie etwas Grundlegendes nicht verstanden hat (oder nicht verstehen will). Angekarrte Claqueure mögen zwar durchaus nützlich sein, um mit der Unterstützung handverlesener Medienvertreter kurzfristig so etwas wie den Kontakt zur Öffentlichkeit zu simulieren, allerdings täuschen solche mühevollen Inszenierungen bei etwas aufmerksamerer Betrachtung kaum darüber hinweg, dass jene politische Kaste, die solche Täuschungsmanöver offensichtlich nötig hat, ihre Unfähigkeit und ihre vollständig fehlende Bereitschaft, die grundlegenden Probleme ihrer jeweiligen Gegenwart anzugehen (oder überhaupt zur Kenntnis zu nehmen) damit mehr oder weniger offen eingesteht; vor allem dann, wenn solche Inszenierungen in fast religiös wirkenden Ritualhandlungen der jeweils staatlich verordneten Ideologie huldigen, deren Glaubenssätze gerade vor aller Augen an der Realität zerschellen.

Dies gilt für Merkels Besuch der Gedenkstätte der sogenannten "NSU"-Opfer (inklusive des im Subtext mitgelieferten multikulturellen Kampfauftrages!) ebenso wie es schon für die albernen Paraden zum vierzigsten Geburtstag der DDR galt.
Die Stadt großräumig abzusperren und Polizisten in Zivil mit Knopf im Ohr unters Volk zu schicken, die verdächtige Elemente im Auge behalten sollen, demonstriert eben keine Überlegenheit, sondern stattdessen die Hilflosigkeit einer verkommenen Kaste, die im Stillen längst zu verstehen begonnen hat, dass ihre Zeit abgelaufen ist.
Und so verwundert es auch nicht, dass man bei den halbherzigen Feierlichkeiten zum dreißigsten Jahrestag der "Friedlichen Revolution" besonders den Aspekt der vermeintlichen Friedlichkeit hervorhebt. Grundsätzlich kann eine Revolution nie "friedlich" sein, da der sich zuspitzende Interessenkonflikt zwischen dem Volk und den Institutionen des Systems nun einmal nichts "Friedliches" an sich haben kann. Die Opfer der SED-Herrschaft, die mit dem Verlust ihres Lebens, ihrer Gesundheit, ihrer Familie oder ihres Hab und Gutes bezahlen mussten, kamen nie in den Genuss einer vermeintlichen "Friedlichkeit" des herrschenden Systems. Für "Friedlichkeit" begeisterten sich die Verursacher erst dann, als es sich als letzte Option für sie anbot.

 Bundespräsident Steinmeier titulierte in der vergangenen Woche seine Kritiker übrigens als "Feinde der Demokratie" und empörte sich über die "Verächtlichmachung der bestehenden politischen Institutionen". Besonders "friedlich" klangen diese Worte jedenfalls nicht. Welche konkreten Maßnahmen solchen verbalen Ausfällen in der Regel früher oder später folgen, dürfte aufmerksamen Zeitgenossen bekannt sein.


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